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Schweizer Tafel
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Yvonne Kurzmeyer, Gründerin Schweizer Tafel

Im Jahr 2001 eröffnete in Bern die erste regionale Tafel. Gründerin Yvonne Kurzmeyer gibt im Gespräch mit Karsten Füllhaas Auskunft, wie alles begann und wie Sie sich noch heute für die von Ihr gegründete Organisation einsetzt.
Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Lebensmittel einzusammeln und an wohltätige Organisationen zu verteilen?
Ich habe damals im Fernsehen eine Reportage über die Organisation City Harvest in New York gesehen, die Lebensmittel an Obdachlose verteilt. Diese Idee hat mich und den damaligen Geschäftsführer Urs Grossenbacher inspiriert. Bei weiteren Recherchen über das Internet sind wir dann auf die Deutschen Tafeln gestossen. Dieses Konzept hat uns überzeugt. Wir haben diese Idee übernommen und mit Hilfe von McKinsey auf unser Land angepasst.
Mit welchen Startschwierigkeiten mussten Sie am Anfang kämpfen? Wer hat Sie am Anfang unterstützt?
Als wir anfingen, war das Thema Armut in der Schweiz noch ein Tabu. Es war schwierig, den Leuten klarzumachen, dass es auch bei uns arme Menschen gibt. Die Lebensmittelieferanten und vor allem die Medien haben uns aber sehr geholfen. Sie waren sofort begeistert von dieser Idee und haben uns so gut sie konnten unterstützt. Sobald wir ein bisschen bekannter waren, kam dann Hilfe von allen Seiten. Von Firmen, Stiftungen, Privatpersonen, freiwilligen Helfern und Frauen, die uns grosse Summen jährlich spendeten und dies weiterhin tun.
Was bedeutet es für Sie persönlich, bedürftigen Menschen zu helfen?
Es ist ein Zeichen meiner Dankbarkeit, da ich selbst im Leben finanziell so verwöhnt worden bin. Zudem gibt es mir auch eine grosse Befriedigung, mich sozial zu engagieren und in der Schweiz etwas zu bewegen. Es ist mir aber klar, dass meine Arbeit nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist, und dass man das Übel an der Wurzel packen sollte. Aber das sehe ich nicht als meine Aufgabe.
Warum haben Sie sich entschieden, bedürftigen Menschen in der Schweiz zu helfen und nicht in Entwicklungsländern?
Weil es nicht nur in Entwicklungsländern, sondern auch vor unserer eigenen Haustüre inzwischen viele arme Mitmenschen gibt, die dringend Hilfe benötigen. Zudem konnte ich immer direkt sehen, wo und bei welchen Menschen mein Geld und meine Hilfe ankamen.
Würden Sie rückblickend gesehen, gewisse Dinge anders tun?
Ja, ich würde mit dem heutigen Wissen ein paar Sachen anders machen, nur hat es ja keinen Sinn, darüber nachzudenken. Es führen bekanntlich verschiedene Wege nach Rom, und wir sind ja jetzt in Rom!
Was war Ihr schönstes Erlebnis während der gesamten bisherigen Zeit mit der Schweizer Tafel?
Davon gibt es so viele! Es fällt mir schwer, eines auszuwählen, deshalb gleich eine vielseitige Auswahl: Im Jahr 2005 hat der gesamte Bundesrat auf das traditionelle Weihnachtsessen verzichtet und statt dessen das Geld der Schweizer Tafel gespendet. Eine grosse Anerkennung und letztendlich auch die Bestätigung, dass wir mit unserer Arbeit auf dem richtigen Weg sind. Vielleicht war es aber auch der Fundraising Preis? Oder der Auftritt bei Aeschbacher? Oder die zwei Zivildienstleistenden, welche sich bei uns kennen gelernt haben und heute ein Paar sind? Oder zu sehen, wie das ganze Projekt gewachsen ist? Vielleicht sind es aber auch die vielen Promis, Firmen und Helfer, die uns am Suppentag unterstützen? Oder die Begegnungen mit den Menschen, welche die Lebensmittel bekommen und dafür sehr dankbar sind? Was mich auch jedes Jahr aufs Neue beeindruckt ist, wie viele Menschen am nationalen Suppentaganlass der Schweizer Tafel ihre Solidarität mit den benachteiligten Mitgliedern unserer Gesellschaft bekunden, indem sie eine Suppe geniessen und Geld in die Spendenurne legen.
Woher nehmen Sie heute noch die Motivation, sich weiterhin für die Schweizer Tafel einzusetzen?
Ich weiss, dass unser Projekt nach wie vor dringend gebraucht wird. Die Armutsstatistik in der Schweiz spricht ja für sich. Die Menge verteilter Lebensmittel wächst ebenfalls von Jahr zu Jahr. Der grosse Enthusiasmus und Einsatz aller Mitarbeitenden sowie die Freude aller, die von der Schweizer Tafel profitieren, gibt mit immer wieder neue Kraft.

Interview: Karsten Füllhaas, unabhängiger Kommunikations-Berater.
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Last Update: 10.11.09 15:11 by webac